Geschwisterkinder
Die Geschwister Ritschie und Milla wohnen und leben in der großen Stadt nicht weit voneinander entfernt, besuchen sich aber nur selten, "nicht mehr als zwei- oder dreimal im Jahr" und sind sich seit ihrer Kindheit fremd geworden, fremd in ihren Mienen,
ihren Freundschaften und ihren Lebensweisen. Das wird auch spürbar, wenn sie gemeinsam zu einer Hochzeit von flüchtigen Bekannten eingeladen sind oder wenn ein geheimnisvoller alter Bekannter der Familie ("Doktor Charles") sie besucht und an alte Zeiten erinnert. Sie fangen wieder an zu reden und dabei zu merken, dass nicht alles stimmt, was man übereinander zu wissen meint und was die Erinnerung aufbewahrt hat ... - Mit mikroskopischem Blick und viel Raum für das Ungesagte erzählt Hanna Lemke (*1981 in Wuppertal) langsam und konzentriert eine unaufgeregt liebevolle Geschichte, die allerdings Leser nicht befriedigen wird, die überall Handlung und action suchen und stringente Lösungen erwarten. Für Büchereien mit anspruchsvolleren Lesern.
Georg Bergmeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Geschwisterkinder
Hanna Lemke
Kunstmann (2012)
126 S.
fest geb.