Arme Milliardäre!
In seiner erbittert-scharfzüngigen Polemik mit dem natürlich ironisch gemeinten Titel konstatiert der bekannte amerikanische Journalist, dass im heutigen Amerika "trotz aller Fehlschläge und Pleiten die Idee einer weitgehend unregulierten Wirtschaftsordnung
nach wie vor so enthusiastisch vertreten wird" (S. 19), obwohl sie doch unbestritten die Ursache der derzeitigen Wirtschaftskrise sei. Während auf die Weltwirtschaftskrise 1929 - 33, in der der Kapitalismus auf ähnlich desaströse Weise gescheitert war, der New Deal Roosevelts und damit eine Abkehr vom schrankenlosen Liberalismus folgte, ist es den Verursachern der jetzigen Wirtschaftskrise gelungen, ihr Verschulden zu verdrängen, zu vertuschen und sogar den Staat, der marode Banken und Unternehmen vor dem Konkurs bewahren musste, als Hauptverursacher der Krise zu denunzieren und sich selbst als Opfer von Barack Obamas "sozialistischer" Politik zu stilisieren. Frank erläutert sehr überzeugend die Hintergründe dieser paradox erscheinenden ideologischen Fixierung, wobei er einerseits die taktisch kluge Stimmungsmache der Republikaner (Mitt Romney, Paul Ryan) und ihrer journalistischen Mitstreiter (Fox News) aber auch die, wie er meint, eklatanten Fehler der Demokraten unter Barack Obama (Konsensstreben, rein technokratische Krisenbewältigung) herausarbeitet. - Ein hochaktueller, interessanter Diskussionsbeitrag, vor allem für Leser, die sich für amerikanische Politik interessieren.
Arme Milliardäre!
Thomas Frank
Kunstmann (2012)
222 S.
fest geb.