Die Hände des Pianisten

Joav ist ein zwar begabter, aber ziemlich erfolgloser Pianist, in sich gekehrt und träumerisch; seine Lebensgefährtin Chagit, die als Cutterin in einem Fernsehstudio arbeitet, steht dagegen mit beiden Beinen im Leben, ein sehr bescheidenes Leben Die Hände des Pianisten in Tel Aviv, das sich an den kleinen Nöten des Alltags - Joavs Erfolglosigkeit ist immer öfter Anlass zum Streit - abarbeitet. In ihr Dasein bricht auf dramatische Weise die Politik ein: Israel steht nach einem verlorenen Krieg unter dem Kommando einer Militärjunta, die auch nur den Anschein von (linker) Opposition rücksichtslos verfolgt. Als Chagit von einem befreundeten Journalisten belastendes Material gegen den Sohn des Junta-Chefs in die Hand bekommt, werden Joav und Chagit zu völlig unschuldigen Opfern einer gnadenlosen Polizeiwillkür, die am Ende ihr Leben - beruflich wie privat - zerstört. - Sobols Roman zeichnet ein beklemmend realistisches Bild von Menschen, die zu spät die Zeichen des politischen Wandels erkennen und glauben, sich ins Private zurückziehen zu können, dabei schließlich selbst zu Verrätern werden, um ihr Leben - es ist nur mehr eine Schattenexistenz - zu retten. Vor diesem Hintergrund brutaler Gewalt werden die Alltagssorgen ebenso belanglos wie die hehren Ideale der Kunst; was zählt ist allein noch eine letzte Liebe, eine Treue, die unerklärbar über allen Abgründen der Angst, des Verrats und des Versagens bleibt. (Übers.: Markus Lemke)

Richard Niedermeier

Richard Niedermeier

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die Hände des Pianisten

Die Hände des Pianisten

Yali Sobol
Kunstmann (2014)

286 S.
fest geb.

MedienNr.: 399292
ISBN 978-3-88897-926-2
9783888979262
ca. 19,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
Diesen Titel bei der ekz kaufen.