Ein Samstag in Sydney
Erst Jahrzehnte nach ihrer heimlichen Jugendliebe treffen sich James und Elly am Hafen von Sydney wieder, ohne sich jedoch gegenseitig einzugestehen, dass sie den jeweils anderen nie vergessen konnten. Auch die Chinesin Pei Xing, die in einem Erziehungslager
misshandelt wurde, findet trotz ihrer Flucht nach Australien kaum Frieden, denn sie begegnet regelmäßig ihrer einstigen Peinigerin. Und Catherine aus Irland sucht Abstand, denn ihr Freund Luc hat sie verlassen, doch erst in Sydney wird ihr bewusst, dass sie im Grunde immer noch ihrem vor Jahren bei einem Unfall verstorbenen Bruder Brendan nachtrauert. Vor dem Hintergrund des Opernhauses von Sydney, wo sich Menschenmassen tummeln, richtet Jones, wie mit einer Kamera, den Blick auf Einzelne, aus deren Sicht sie deren unerfüllte Träume beschreibt. In einer dem Alter, der Herkunft und dem Milieu ihrer Figuren angepassten z. T. poetischen Sprache entwirft sie mit diesem filmisch erzählten Roman die exemplarische Gesellschaft einer modernen westlichen multikulturellen Großstadt. (Übers.: Conny Lösch)
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Ein Samstag in Sydney
Gail Jones
Ed. Nautilus (2013)
254 S.
fest geb.