Kein Land in Sicht?
Johannes Zang kennt Israel aus mehrjährigen Aufenthalten. Sein gesamtes literarisches Werk dreht sich um das kleine Land am Jordan. Dieses Buch nimmt den Gaza-Streifen in den Blick, Zwangsheimat für 2,2 Millionen Menschen. Skizzenartig schildert
der Autor Episoden und Anekdoten aus dem Alltagsleben im dichtestbewohnten Teil der Welt. Dieses ist bis ins Private hinein geprägt vom Gegeneinander der beiden Völker. Wo nötig, ordnet der Autor Aspekte in das politische Gesamtbild ein. Seine Schilderungen zeichnen ein zutiefst trauriges, fast verzweifeltes Bild von der Lage der Menschen dort. - Zang macht aus seinen Sympathien für die leidtragenden Palästinenser ebenso wenig einen Hehl wie aus seiner kritischen Haltung gegenüber Israels Gaza-Politik. Zwar hält er sich von antijüdischen Torheiten fern, zeigt stellenweise aber eine überraschend naive Einschätzung der Hamas. Als erstem Schritt zur Versöhnung plädiert der Autor für eine offizielle Entschuldigung seitens Israels für die jahrzehntelange Diskriminierung der Palästinenser. Er formuliert seine Vorstellung davon sogar im Wortlaut. Eine darüber hinausweisende Friedensagenda wird nicht ausgeführt. Was auch viel verlangt wäre, vor dem Hintergrund eines blutigen Konflikts über bald achtzig Jahre. Beachtlich sind die umfangreichen Literaturempfehlungen im Anhang. Wer eine dezidiert propalästinensische Sichtweise zum Nahostkonflikt sucht, wird hier fündig.
Werner Wagner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Kein Land in Sicht?
Johannes Zang
PapyRossa (2024)
279 Seiten
kt.