Am sechsten Tag
Luigi Scalfaro, reicher Unternehmer, lässt Prof. Wiesthal aus Freiburg kommen, einen Spezialisten, der unerklärliche Vorgänge in einer großen pompösen Villa über Genua untersuchen soll. Prof. Wiesthal macht sich auf die Suche nach der Ursache
für besagte Absonderlichkeiten (etwa durchs Fenster fliegende Steine), die sich immer in Gegenwart von Luigis 14-jähriger Tochter Viola abspielen. Violas Mutter ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen, bei dem nie geklärt werden konnte, ob es sich tatsächlich um einen Unfall, Mord oder Selbstmord gehandelt hat. In zweiter (Zweck-) Ehe ist Luigi mit der attraktiven Donatella verheiratet. - Tonio Walter, hauptberuflich bayerischer Juraprofessor und Richter, lässt den Leser teilhaben an der Klärung eines verstörenden beklemmenden Familiendramas um Missbrauch und Mord, Rache und Vergeltung, bei dem Überwachungskameras, Tonbänder und die Berichte des Jugendpsychologen und der Haushälterin entscheidend zur Aufdeckung der Hintergründe beitragen. Eine Novelle über eine unerhörte Begebenheit (im besten Goetheschen Sinne), erzählt mit Finesse und italienischem Kolorit - allen Büchereien sehr empfohlen.
Wilfried Funke
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Am sechsten Tag
Tonio Walter
Schöffling (2015)
175 S.
fest geb.