Wovon wir lebten
Der zwölfjährige Marten hat es nicht leicht. Sein Vater ist ein herrischer Wichtigtuer mit despotischen Ausfällen. Die Mutter, frustriert und ständig von ihrem Mann gedemütigt, ist häufig betrunken. Kleine Fluchten bietet der erwachsene Rainer
aus der Nachbarschaft, der Marten als Freund bezeichnet und wo er immer willkommen ist. Rainer bietet Marten eines Tages an, sich durch Botengänge ein Taschengeld zu verdienen. Der Junge kriegt schnell mit, dass es sich dabei um Drogen handelt - und wird im Lauf der Jahre selbst drogenabhängig. Trotz seiner Drogen- und Sexexzesse geht er nach beendeter Lehre einer Arbeit in einer Fabrik nach. Als er von seiner Freundin betrogen wird, schlägt er seinen Nebenbuhler krankenhausreif. Das bedeutet langen Drogenentzug in einer sozialen Einrichtung, wo er Peter kennenlernt. Dieser erkennt Martens Talent zum Kochen, und nach der Therapie gehen sie beide daran, in Frankfurt ein Restaurant zu eröffnen. Marten trifft seine Jugendfreundin Stella wieder und sie verlieben sich. Das Restaurant läuft gut und alles scheint bestens. Doch das kriminelle Milieu aus früheren Tagen hat sich nicht in Luft aufgelöst und eines Tages kommt es im Lokal zu einer Prügelei mit dealenden Mitgliedern einer Rockerbande. Ausgerechnet Rainer, der nach Gefängnis und Auslandsaufenthalt wieder zurück ist, wird dabei tödlich verletzt. Marten und Stella scheinen sich aber fürs Leben gefunden zu haben. - Die in Offenbach lebende Autorin hat die zahlreichen Schauplätze minutiös geschildert; die Protagonisten sind lebensecht dargestellt. Sowohl die behäbige Kleinbürgerlichkeit als auch die Allüren der "gehobenen Gesellschaft" sind durchgehend authentisch thematisiert. Humoristische Einsprengsel tun der Geschichte gut; derbe Sexszenen könnten aber allzu sensible Leser etwas irritieren. Insgesamt eine sehr gute Geschichte, passend für die meisten Büchereien.
Erwin Wieser
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Wovon wir lebten
Silke Scheuermann
Schöffling (2016)
524 S.
fest geb.