Benjamin und seine Väter
In dem 1962 erstmals erschienenen Roman des bekannten, 1999 verstorbenen Autors wird in lustvoller Detailfreude eine Kindheit und Jugend in der Weimarer Republik erzählt. Benjamin Weis, ein eigenwilliger, phantasievoller, aufmüpfiger, jedenfalls
(alt)kluger Junge, wächst heran ohne Vater. Der hatte die Mutter nach der Geburt des Jungen verlassen. Zwar findet Benjamin in Jonas, einem Vertrauten seiner Mutter, einen lebensklugen und gütigen Ersatzvater, doch die Suche nach seinem leiblichen Vater, den er mal heroisiert, mal verdammt, lässt ihn nicht zur Ruhe kommen. Als er ihn am Ende trifft, lautet sein ernüchtertes Resümee, das freilich für die Väter der ganzen Epoche gelten mag: "Ich scheiße auf alle Väter, die uns ein solches Leben eingebrockt haben." (S. 417) Obwohl Untergang des Kaiserreichs und Machtergreifung Hitlers quasi den zeitlichen Rahmen dieses farbigen Entwicklungsromans bilden, dominieren die typischen Jungenabenteuer, während die historischen Groß-Ereignisse eher im Hintergrund bleiben. Kein Wunder, wird doch fast durchgängig aus der Perspektive des Kindes bzw. heranwachsenden Benjamin Weis, der genug mit sich zu tun hat, erzählt. Durchaus lesenswert.
Benjamin und seine Väter
Herbert Heckmann. Mit e. Nachwort von Peter Härtling
Schöffling (2017)
438 S.
fest geb.