Das rote Haus
Nach dem Tod der Mutter hat der erfolgreiche Radiologe Richard seine hausbackene Schwester Angela und deren Familie zu einem gemeinsamen Urlaub in der Einsamkeit eines abgelegenen englischen Ferienhauses eingeladen. Acht Menschen, die nicht unterschiedlicher
sein könnten, treffen dabei aufeinander und müssen wohl oder übel miteinander auskommen. Man wahrt trotz sofort erkennbarer Differenzen die verwandtschaftlichen Konventionen, kommt sich näher, gerät in ernste Konflikte und geht nach einer Woche, die jedem der Beteiligten in unterschiedlicher Weise seine Grenzen aufgezeigt haben, die verschüttete Konflikte an die Oberfläche und manchen zu größerer Einsicht und Ehrlichkeit sich selbst gegenüber gebracht haben, sang- und klanglos auseinander. Die Versicherung, dass man sich bald wieder sehen wolle, wird erkennbar eine Floskel bleiben. - In rascher Abfolge melden sich in dem strikt chronologisch gegliederten Romangeschehen die verschiedenen Protagonisten zu Wort. Der permanente Perspektivenwechsel verleiht dem Roman Tempo, und die überwiegende Verwendung des inneren Monologs erlaubt eine die verborgenen Spannungen und widerstreitenden Seelenregungen entlarvende Innensicht. Auch wenn der durch den Bestseller "Supergute Tage" (2003) bekannt gewordene und mehrfach preisgekrönte Autor seinen psychologisch meisterhaft gezeichneten schwierigen Charakteren manchmal etwas zu viel Schuld und emotionale Bürde auferlegt, ein fesselnder und literarisch interessanter Roman. Empfehlenswert! (Übers.: Dietlind Falk)
Das rote Haus
Mark Haddon
Blessing (2012)
334 S.
fest geb.