Luther

Einen "erzählenden Biografen" nennt sich Heimo Schwilk in seinem Nachwort, das man eigentlich als erstes lesen sollte, denn hier setzt Schwilk die Akzente für sein Buch und das muss er auch, weil an Beiträgen über das Leben und Wirken Martin Luthers Luther kein Mangel ist. Wenn man sich aber mit den Grundsätzen vertraut gemacht hat, warum Heimo Schwilk, der nicht Theologe, sondern Literaturwissenschaftler ist, eine weitere Luther-Biografie geschrieben hat, dann erkennt man die Leistung des Autors und wie dieses Buch das bisherige Bild "ergänzt", vielleicht manches Phänomen aus einer anderen Perspektive sieht. Schwilk kann spannend erzählen und manche Geschichte im Leben Luthers erscheint vor den Augen des Lesers sehr plastisch. Dies gilt in Sonderheit für die letzten Jahre in seinem Leben, mit denen sich wohl viele weniger beschäftigt haben als mit den Jahren des Aufbruchs und denen sich Schwilk mit viel Einfühlungsvermögen nähert. Typisch ist etwa die Szene um das Ableben des Töchterleins Magdalena. Da wird ganz real einiges aus dem tiefsten Seelenleben des Vaters Martin Luther deutlich. Richtig ist auch, dass für ihn der "Zorn Gottes" über den sündhaften Menschen als unumstößliche Realität feststand: Gott erlöst nicht nur, er verdammt auch! Aber: Muss man den "Zorn Gottes" gleich zum Untertitel einer absolut menschlichen Luther-Biografie machen? - Trotzdem: Wenn noch Bedarf an Luther-Biografien besteht, dann ist das Buch Heimo Schwilks eine gute Ergänzung oder Alternative.

Armin Jetter

Armin Jetter

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Luther

Luther

Heimo Schwilk
Blessing (2017)

463 S. : Ill.
fest geb.

MedienNr.: 589292
ISBN 978-3-89667-522-4
9783896675224
ca. 24,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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