Kirche neu erfinden
Die Kirche ist ihrem Selbstverständnis nach keine menschliche Erfindung und insofern nur bedingt mit Unternehmen und anderen Organisationen vergleichbar, das stellt Prälat Peter Klasvogt (u.a. Direktor der Katholischen Akademie Schwerte) klar. Dennoch
legt er ihr ans Herz, "sich in Auseinandersetzung mit allem, was ist, befruchten und bereichern zu lassen" (S. 149), insbesondere von Frédéric Laloux‘ 2014 erschienener Analyse "evolutionärer" Organisationen. Er greift auf grundlegende kirchliche Dokumente zurück und legt dar, dass viele der in jenen Organisationen angewandten Prinzipien und Grundhaltungen eigentlich dem ureigenen Wesen der Kirche entsprechen. In einer Zeit zunehmender Komplexität und immer schnelleren gesellschaftlichen Wandels könnte und müsste Kirche wie ein lebendiger Organismus entwicklungsfähig sein, um ihrer Sendung zu entsprechen und zum Wohl aller hineinzuwirken in die Welt. Die dazu notwendigen Veränderungen sind weit mehr als bloße Strukturreform, fordern (fördern aber auch) alle Beteiligten und brauchen einen langen Atem. Als gleichermaßen zukunftsweisende wie umsichtige Positions-, Diskussions- und Motivationsschrift, angereichert mit einigen "Best-Practice"-Beispielen, empfehlenswert vor allem für kirchliche Leitungsverantwortliche und Gremienmitglieder.
Monika Graf
rezensiert für den Borromäusverein.
Kirche neu erfinden
Peter Klasvogt
Bonifatius (2021)
368 Seiten
kt.