Der Garten
Der Großvater des kleinen Maciek lebt mit der Familie seiner Tochter auf dem Land in Polen. Mit zunehmendem Alter wird er mürrisch und wortkarg, auch fängt er Streit mit seinem alten Nachbarn an. Die Apfelernte in einem Garten lässt ihn Szenen
aus dem Krieg wiedererleben; er wurde Zeuge (und Täter?) eines Verbrechens. Bis zu seinem Tod lastet dieses Erlebnis schwer auf ihm. Als Sühne verhilft er der Familie seiner Tochter zur Ausreise nach Deutschland. Es ist eine kleine, pointierte Erzählung um eine große Schuld, an der ein Mensch zeit seines Lebens zu tragen hat. Die Szenen sind verknappt und sehr präzise, so deutlich und doch verschwommen, wie es alte Erinnerungen sind. Die reduzierte Farbpalette der Graphic Novel bringt die Depression des Alten zum Ausdruck; auch die knappen Dialogtexte geben die Unfähigkeit wieder, das Erlebte in Worte zu fassen. Dass die Familie den Großvater in Polen allein zurücklässt, gehört zu den anhaltenden Konsequenzen des Zweiten Weltkriegs. Diese Familiengeschichte der "kleinen Leute" widmet sich einem weltgeschichtlichen Thema in adäquater und beeindruckender Weise.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Garten
Agata Bara
Salleck Publications (2013)
[o. P.] : überw. Ill. (farb.)
fest geb.