Cáslavská
Die tschechische Kunstturnerin Vera Cáslavská war eine ungemein erfolgreiche und gefeierte Ausnahmesportlerin, die u.a. bei den Olympischen Spielen in Tokyo (1964) und Mexiko-City (1968) sieben Goldmedaillen gewann. Der tschechische Autor Jan Novák
erzählt die wechselvolle Lebensgeschichte seiner Landsfrau, die als Unterzeichnerin eines systemkritischen Aufrufs nach der Niederschlagung des Prager Frühlings verfolgt und totgeschwiegen wurde; zeitweilig musste sie als Putzfrau ihren kargen Lebensunterhalt verdienen. Die 1968 noch in Mexiko geschlossene Ehe mit dem Mittelstreckenläufer und Armeeoffizier Josef Odložil verlief glücklos. Dieser litt unter den Erfolgen seiner Frau und erwies sich, dem Alkohol verfallen, zunehmend als gewalttätig. Zwar wurde Cáslavská 1989 rehabilitiert und bekleidete unter Václav Havel ein öffentliches Amt, doch aufgrund einer Familientragödie fiel die Sportlerin in den 1990er Jahren in eine tiefe Depression und verbrachte Jahre in der Psychiatrie. Erst im Alter konnte sie ihren früheren Ruhm noch einmal genießen. – Die Bebilderung der ausführlich erzählten Lebensgeschichte erfolgte durch den tschechischen Künstler Jaromír 99. Dieser verwendet für seine Illustrationen neben Schwarz ausschließlich die Farben der olympischen Ringe (rot, gelb, blau und grün). Diese eigenwillige Farbgebung ist bei der Lektüre anfangs etwas gewöhnungsbedürftig; wurde aber zunehmend als passend und stimmig empfunden. Eine gelungene biografische Bilderzählung; im Hinblick auf den eher geringen Bekanntheitsgrad der Biografierten in Deutschland jedoch eher etwas für größere Bestände.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Cáslavská
Jan Novák ; Illustrationen: Jaromir 99 ; Übersetzung aus dem Tschechischen: Mirko Kraetsch
Salleck Publications (2023)
[unpaginiert] : farbig
fest geb.