Die tausend Herbste des Jacob de Zoet
Voller Idealismus beginnt Jacob de Zoet 1799 seine Arbeit auf Dejima bei Nagasaki. Er soll dort die Handelsbeziehungen zwischen der Niederländischen Ostindien-Kompanie und Japan fördern und die Korruption bekämpfen. Doch er scheitert an den festgefahrenen
Strukturen seiner Kollegen, die ihre Möglichkeiten privater Bereicherung nicht aufgeben wollen. Er scheitert an dem Unwillen der Japaner, sich westlichen Einflüssen zu öffnen, und er scheitert an seinem privaten Anliegen, Orito, eine Japanerin, als Freundin und vielleicht sogar als Ehefrau zu gewinnen. Er scheitert endgültig, als Dejima von den Engländern erobert wird. Diese beruflichen Niederlagen und gelegentliche Erfolge sind ein eindrucksvoller Gang durch die Geschichte der Kolonialisierung und früher Handelsbeziehungen. Die private Geschichte bringt ein Element von Spannung in das Hörbuch, als Orito an eine obskure Sekte verkauft wird. Insgesamt vermittelt das Hörbuch ein relativ authentisches Bild von Geschehnissen in einer Zeit, die in unserem Bewusstsein kaum präsent ist, die aber Grundlage zur Gegenwartsgeschichte legte. Für historisch Interessierte eine spannende Empfehlung, bedarf aber einiger Aufmerksamkeit beim Hören und zumindest erste literarische Erfahrungen.
Lotte Schüler
rezensiert für den Borromäusverein.
Die tausend Herbste des Jacob de Zoet
David Mitchell. Sprecher: Doris Wolters
Audiobuch (2012)
6 CD (ca. 428 Min.)
CD