Schwarz und Silber
Sie ist Architektin, er Physiker, und ihr gemeinsames Kind wird vor allem von der Kinderfrau und Haushälterin Babette betreut. Nach deren Tod durch einen aggressiven Krebs stellt der Icherzähler fest, wie sehr Babette nicht nur die Haushaltsführung
übernommen hatte. Sie war mit ihrer unauffälligen Art auch tief in die emotionalen Beziehungen der kleinen Familie eingedrungen. Das Ehepaar selbst, vor allem der Mann, scheint dazu kaum fähig zu sein, Wärme und Geborgenheit für seine Frau und ihr gemeinsames Kind zu spenden. Als Physiker nimmt man dem Erzähler die Nüchternheit ab, mit der er seine Beziehungen analysiert. Doch als Babette stirbt, taucht auch in seinen Gedanken der Wunsch nach emotionaler Geborgenheit auf, wenn auch versteckt und kaum direkt ausgesprochen. Die Geschichte handelt vor allem davon, was verloren geht, wenn Vernunft die Herrschaft über die Seele übernimmt. Das Fatale ist dabei, dass den Protagonisten dieses Manko erst bewusst wird, als sie den Menschen verlieren, der für ihr Seelenheil zuständig war. Und so wird der Roman zu einem Aufruf, sich den Wert der Mitmenschen bewusst zu machen so lange sie am Leben sind. Keine spektakuläre Handlung, aber viele kluge Gedanken und eine poetische Sprache - das Hörbuch ist vor allem für Hörer empfehlenswert, die genau diese Eigenschaften einer Geschichte schätzen.
Lotte Schüler
rezensiert für den Borromäusverein.
Schwarz und Silber
Paolo Giordano. Sprecher: Heikko Deutschmann
Audiobuch (2015)
3 CD (ca. 212 Min.)
CD