Lydia

Für eine junge Frau gab es Mitte des 19. Jahrhunderts nicht viele Möglichkeiten, einen Beruf zu ergreifen, zumal Frauen der Weg zu Universitäten verwehrt war. Der Vater von Lydia Koidula, ein Lehrer und Journalist, erkannte glücklicherweise früh Lydia die Sprachbegabung seiner Tochter. Er hatte die erste estnische Tageszeitung gegründet und ließ Lydia Texte redigieren und auch eigene Beiträge schreiben. Im Alter von 23 Jahren veröffentlichte sie ihren ersten Gedichtband; außerdem verfasste sie Liedtexte, Erzählungen und Übersetzungen aus dem Finnischen. Wie sehr Lydia Koidula noch immer als Nationaldichterin geschätzt wird, davon zeugt der Abdruck ihrer Texte in estnischen Schulbüchern. Auch die estnische Nationalhymne wurde von ihr mitverfasst. Es ist eine schöne Leistung dieses Kinderbuchs, heutige Leser/-innen mit dieser außergewöhnlichen Frauenfigur des 19. Jahrhunderts bekannt zu machen. Ihre Biografie wird in Text und Bild anekdotisch erzählt und mit politischen und historischen Hintergründen angereichert. So bekommen wir einen lebendigen Eindruck vom Schicksal einer jungen Frau, die sich dank ihrer Begabung und der Unterstützung ihrer Familie den Weg zur Poesie bahnte. Ihre Gedichte sprechen von romantischer Naturverbundenheit und ihrer Liebe zur Sprache; ihre schriftstellerische Arbeit verdankt viel den Potentialen der Mehrsprachigkeit. Die Wirkungsmacht dieser jungen (und im deutschsprachigen Raum wohl unbekannten) Poetin erfährt hier eine ganz besondere Würdigung.

Dominique Moldehn

Dominique Moldehn

rezensiert für den Borromäusverein.

Lydia

Lydia

Kätlin Kaldmaa ; illustriert von Jaan Rõõmus ; aus dem Estnischen von Maximilian Murmann
Baobab Books (2022)

[56] Seiten : farbig
fest geb.

MedienNr.: 611535
ISBN 978-3-907277-15-7
9783907277157
ca. 19,50 € Preis ohne Gewähr

Borromäus-Altersempfehlung: ab 8
Systematik: KGe
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