Tsai Kun-lin - 3. Ein neues Leben
Die 10 Jahre Haft haben Spuren bei Tsai Kun-lin hinterlassen. Der Suizid seines Vaters belastet ihn sehr und die Suche nach Arbeit ist schwerer als gedacht. Seinen erträumten Lehrer-Beruf darf er nicht ergreifen, doch er findet Beschäftigung im Verlagswesen.
Auch hier behindern ihn Zensur und willkürliche Polizeigewalt. Die Neugründung eines Magazins für Kinder ist erfolgversprechend, aber der berufliche Höhenflug endet jäh. Dieser dritte Teil der Graphic Novel-Reihe (zuletzt: BP/mp 24/490) über den Lebensweg eines jungen Taiwanesen widmet sich den Herausforderungen, die zehn "gestohlenen" Jahre seines Lebens wieder aufzuholen. Eingebettet ist diese Biografie in die gesellschaftspolitische Geschichte Taiwans in den 60er-Jahren. Das Land erlebt zwar eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte, wovon auch Kun-lin mit seinen Verlagsgründungen profitiert. Doch die Repressionen der Militärregierung wirken bis in die engsten Familienstrukturen hinein, wovon die vielen Dialoge in der Familie und unter den Kollegen zeugen. Dass Eigeninitiative und Selbstverantwortung wenig zählen, wird den Protagonisten schmerzlich bewusst. Insofern avanciert die Lektüre dieser auf vier Teile angelegten Story zum Lehrstück in politischer Bildung über das Leben in einem autoritären Staat, wozu auch die vielen begleitenden Informationen beitragen.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Tsai Kun-lin - 3. Ein neues Leben
Yu Pei-yun (Text) ; Zhou Jian-xin (Illustration) ; ins Deutsche übersetzt von Johannes Fiederling
Baobab Books (2024)
Tsai Kun-lin ; Band 3
175 Seiten : teilweise farbig
kt.