Die weiße Laterne

Mit zwölf fragt sich Nozomi zum ersten Mal, was es mit der weißen Laterne ohne Namen auf sich hat, die ihre Mutter alljährlich bei der Gedenk- und Gebetszeremonie für die Opfer des Atombombenabwurfs auf Hiroshima aufs Wasser setzt. Und was hat Die weiße Laterne es zu bedeuten, dass eine fremde alte Frau sie nach ihrem Alter und dem Alter ihrer Mutter fragt? Als ihr Kunstlehrer in ein Sanatorium geht, entstehen auch bei Nozomis Mitschüler:innen Fragen nach der Vergangenheit. Sie münden in ein Kunstprojekt, für das die Jugendlichen ihre Verwandten befragen und vieles über persönliche Schicksale aus ihrem Umfeld erfahren, die sie dann bildlich umsetzen. Auch Nozomis Fragen klären sich. – Der außergewöhnliche Jugendroman der 1957 in Hiroshima geborenen Autorin mit sehr empathischen, rücksichtsvollen jugendlichen und erwachsenen Figuren ist ein ruhiges und doch sehr eindringliches Plädoyer für das Erinnern und Erzählen und für die Kraft von Kunst und Lyrik. Die grausame Realität wird nicht ausgespart, aber klar wird auch: Sie konnte die menschliche Verbundenheit nicht auslöschen. Eingeflochten sind zum besseren Verständnis auch ein paar Sachinformationen. Das schmale Buch wurde 2013 in Japan veröffentlicht und spielt im Jahr 1970, hat aber nichts von seiner zeitlosen Aktualität verloren. Ein besonderes Buch, auch für Erwachsene, zu dem vermutlich nicht viele Jugendliche von sich aus greifen werden, dem aber eine große Leserschaft zu wünschen wäre. Preisverdächtig.

Monika Graf

Monika Graf

rezensiert für den Borromäusverein.

Die weiße Laterne

Die weiße Laterne

Shaw Kuzki ; aus dem Japanischen von Sabine Mangold
Baobab Books (2025)

135 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 621782
ISBN 978-3-907277-29-4
9783907277294
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: J
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