Die Leiden der jungen Weiber
Sieben Frauen, darunter Friederike Brion, Charlotte von Stein und Christiane Vulpius, haben Ende des 18. Jh. die Selbstgerechtigkeit und das literarische Monopol der Männer satt und erfinden einen Dichter, den sie für ihre Zwecke einspannen. Sie
nennen ihn Johann Wolfgang Goethe und müssen später, mit dessen wachsenden Erfolgen, für ihn sogar einen leibhaftigen "Stellvertreter" finden, den Schauspieler Wilhelm Meister. Ein dienstbares Teufelchen und einige Ghostwriter komplettieren schließlich die Truppe, die von Intrige zu Intrige bis zu einem vollkommen überraschenden Ende stolpert. – Eine tolle Idee von Ulrich Land, den bindungsunfähigen Frauen"held" Goethe als eine von einigen Frauen seines Lebens erdachte Kunstfigur in einer Art historische Kriminalkomödie auftreten zu lassen. Dass der Autor dabei in wohlgesetzten Worten – mit einigen sehr modernen Einsprengseln – schreibt, verleiht dem Buch eine ganz besondere Würze. Natürlich kann nur der zumindest in Grundkenntnissen mit Goethes Werken – und mit seinen Amouren – vertraute Leser alle amüsanten Feinheiten dieses Romans auskosten, aber für diesen Leserkreis sind "Die Leiden der jungen Weiber" mit Genuss zu lesen.
Michael Sanetra
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Leiden der jungen Weiber
Ulrich Land
8 grad (2024)
212 Seiten
fest geb.