Karolinenhöhe
Berlin 1910. Ida Freese ist Krankenschwester an der Berliner Charité. Als sie eine Anzeige eines Krankenhauses in der Nähe von Baden Baden liest, wird sie neugierig. Diese richtet sich zwar an Patienten, doch Ida hält es für möglich, dass es dort
auch eine Stelle für sie geben könnte, und fährt hin. Was Ida aber nicht weiß: Bei dem Sanatorium auf der Karolinenhöhe handelt es sich um eine Einrichtung nach den Prinzipien der Lebensreform. Dazu zählen eine streng vegetarische Ernährung, Gymnastik und Ausdruckstanz an der frischen Luft, Wasserbäder und Formen der Freikörperkultur. Dieses „sittenlose“ Treiben kommt bei den übrigen Dorfbewohnern, vor allem dem Pfarrer, nicht gut an. Die junge Frau aber findet die Ansätze interessant, wird eingestellt und identifiziert sich immer mehr mit den Vorgaben der Hausleitung. Nur an das strikte Ausgehverbot mag Ida sich nicht halten. So lernt sie beim Tanzen in einem nahe gelegenen Gasthof Carl kennen und lieben. Ihre Ausflüge bleiben einem der Patienten nicht verborgen. Für ihn muss Ida nun, damit er sie nicht verrät, mehrmals die Woche Buletten aus einem Wirtshaus holen. In seiner Gier verschluckt sich der dickleibige Mann und müsste ersticken, wenn Ida ihn nicht retten würde. Das und manch anderes führt dazu, dass ihr gekündigt wird. Weil Carl, der als Maschinist in den Zeppelinwerken arbeitet, bei der Explosion eines Luftschiffes ums Leben kommt, kehrt Ida wieder nach Berlin zurück. Sie engagiert sich nun in der Frauenbewegung und versucht einiges, was sie auf der Karolinenhöhe zu schätzen gelernt hat, auch in Berlin umzusetzen. – Die Autorin beschreibt hier, eingebettet in ein Romangeschehen, die unkonventionellen Ideen einer zu Beginn des 20. Jh. um sich greifenden Reformbewegung. Ab mittleren Beständen.
Josef Schnurrer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Karolinenhöhe
Kirsten Karg
8 grad (2026)
226 Seiten : Illustration
fest geb.