Kuddelmuddel
In der Eiseskälte können sich die kleinen Tiere nicht draußen herumtreiben. So sitzen der Regenwurm, die Motte, der Grashüpfer und die Käfer in ihren warmen Stuben. Der Regenwurm schreibt der Motte einen Brief, der von der armen Postschnecke ausgetragen
wird. Aber die Motte verliest sich und so beginnt eine aberwitzige Korrespondenz mit vielen Irrtümern. Nach Art der "stillen Post" werden in diesem Bilderbuch Nachrichten versendet und missverstanden. Dieses Kuddelmuddel lässt sich bald nicht mehr auflösen, aber darauf kommt es bei dieser Geschichte auch nicht an. Hier besticht die außergewöhnliche Gestaltung, die der niederen Tierwelt mit all ihren Bauten und Höhlen Reverenz erweist. Das extreme Hochformat dieses Buches wird von schmalen horizontalen Bildstreifen gekreuzt. In ihnen spielen sich die Innenraumszenen wie in einem Comic-Strip ab. Bei diesem Miniaturformat geht es um die Details: die Bewohner:innen der gemütlichen Behausungen haben sich wie in Puppenhäusern mit allem Drum und Dran eingerichtet. In diese niedlichen Bilderwelten können sich die Betrachter:innen lange vertiefen und sich auch ohne Text einen Reim auf das Geschehen machen. Im Kontrast dazu geben die hochformatigen Bilder Landschaftspanoramen wieder, wie sie von Vögeln oder Eichhörnchen gesehen werden könnten. Die eisigen Schneeflächen, das kahle Geäst oder die Schatten in der frühen Dämmerung belegen das handwerkliche Können des Illustrators. Als Spezialist für das Atmosphärische hat er im Großen wie im Kleinen Bildgeschichten entworfen, über die man gerne den Blick schweifen lässt. Dass auch in der Winterzeit die Natur große Reize bereithält, lässt sich hier in diesen künstlerischen Kleinoden wunderbar beobachten!
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Kuddelmuddel
eine Geschichte von Karen Hottois ; adaptiert und gezeichnet von Vincent Pianina ; aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkell
Péridot (2025)
52 Seiten : farbig
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 5