Das rote Kanu
Buck ist konsterniert, als seine Frau Naomi verlangt, dass er die Scheidungspapiere unterschreibt. Sie habe es satt, dass durch Bucks Helfersyndrom immer wieder auch für sie gefährliche Situationen entstehen. Buck ist des Lebens überdrüssig. Als
die 15-jährige Lucy bei ihm in der Bootsbauerwerkstatt auftaucht, wird ihm sofort klar, dass hier ein Opfer vor ihm steht, verletzt, traumatisiert, scheu, aber auch zornig. Die Polizisten-Kollegen ihres Vaters missbrauchen sie wiederholt und drohen, ihr Dad werde sterben, wenn sie etwas sagt. Als Lucys beste Freundin, auch Opfer der Pädophilen, ermordet wird, erfährt Buck allmählich, was dem Mädchen widerfährt. Durch die Kontakte zwischen Buck und Lucy sind die Missetäter, zu denen auch der örtliche Polizeichef gehört, misstrauisch geworden; er soll beseitigt werden. Buck überlebt einen ersten Mordanschlag nur knapp. Aber Buck verfügt über Kampferfahrung und wappnet sich gegen weitere Angriffe. Das Geschehen verlagert sich in den winterlichen Norden des Staates, an die Ufer des großen Sees. Und es sind große Gefahren zu bestehen, bis die Pädophilen in der Eiswüste umkommen. - Der Autor hat sich eines Themas angenommen, das in den USA viel zu wenig beachtet wird. Indigene Mädchen und Frauen werden viel häufiger Opfer von Missbrauch und Gewalt als Weiße. Aufgeklärt werden derlei Delikte kaum; auch der Klerus verhält sich reserviert. In dieser Geschichte ist bezeichnenderweise auch ein Pfarrer im Zentrum des Bösen angesiedelt. Das rote Kanu, das Buck und Lucy während ihrer Annäherungsphase bauen, ist im finalen Geschehen auf dem See ein wesentlicher Bestandteil. Allerdings sind einige Details nicht so recht auserzählt. Aber insgesamt ist es ein guter Krimi, v.a. in der zweiten Hälfte unerhört spannend, der ganz sicher einer großen Leserschaft gefallen dürfte.
Erwin Wieser
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das rote Kanu
Wayne Johnson ; aus dem Amerikanischen von Karen Witthuhn
Polar Verlag (2024)
395 Seiten
fest geb.