RED
Die Geschichte Ned Kellys, australischer Verbrecher und Nationalheld, gehängt 1880, liefert die Vorlage für eine Geschichte aus der Gegenwart, Ende des 20. Jh.: Ruby „Red“ McCoy, wohl um die 14 Jahre alt, ist bereits die dritte Generation in
einer Abfolge von Familienauseinandersetzungen zwischen den McCoys und den Healys, die schon ihrem Vater und ihrem Großvater nur Ärger bescheren. Red hat sich vorgenommen, ihre Sicht der Ereignisse zu erzählen, um der Wahrheit Vorschub zu leisten. Sie lebt nach dem Tod der Mutter allein mit ihrem Vater Sid, mehr schlecht als recht, in einer Vorstadtsiedlung, zwischen Arbeitslosigkeit und einer Reihe kleiner Gaunereien, aus denen sich das Familieneinkommen speist. Der korrupte Polizist Trevor Healy und seine Kollegen locken Sid in einen Hinterhalt. Er gerät dabei in eine ausweglose Situation und wird zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Red kommt zu einer „Adoptivmutter“, die Mutter ihres Freundes Steven, dem sie das Leben rettet. Zum Dank bekommt sie ein Buch: „Der goldene Schatz der griechischen Mythologie“. Darin erfährt sie von den Keren, den Rachewesen. Die Beziehung zu den korrupten Polizisten schaukelt sich auf. Schließlich sticht Red, in die Enge getrieben, auf Healy ein, flieht während eines Erdbebens und alles steuert auf eine Katastrophe zu. – Felicitas McLean erzählt in rastlosem schnoddrigem Ton („yeah“), in derben Ausdrücken mit Schwärzungen als besonderem Momentum, ohne Satzzeichen bis auf den Punkt, was die Handlung hektisch vorantreibt. Allen Büchereien sehr empfohlen.
Wilfried Funke
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
RED
Felicity McLean ; aus dem amerikanischen Englisch von Kathrin Bielfeldt
Polar Verlag (2025)
262 Seiten
kt.