Auf den Spuren Rogers
Die Rückkehr von Kriegsgefangenen ist selten eine heldenhafte Angelegenheit und wird daher nicht oft thematisiert. Hier folgt der Autor akribisch den Spuren seines verstorbenen Großvaters Roger, der nie über seine Zeit als Gefangener in deutschen
Lagern berichtete, aber alles einem Tagebuch anvertraute. Dieses Tagebuch ist es, das seinen Enkel dazu bringt, die Vergangenheit in der Gegenwart aufzuspüren. Und das gelingt ihm ohne einseitige Schuldzuweisungen. Der Umgang mit den Kriegsgefangenen war grausam, das schildert das Tagebuch eindrucksvoll. Aber auch Momente von Mitleid waren immer wieder zu spüren. Die gleiche Grausamkeit erfuhren die Gefangenen auf beiden Seiten, fern von den Abkommen und geschichtsträchtigen Gipfeltreffen. In diesem Band geht es um die Menschen, die immer die Leidtragenden sind, wenn die Mächtigen einen Krieg beschließen. Interessant wird das Buch auch durch die beiden Zeitebenen, in denen sich der Autor bewegt: sepiabraun sind alle Passagen des Tagebuchs in Bilder umgesetzt; bunt sind alle Passagen der Gegenwart, vor allem die Spurensuche an den Orten, die im Tagebuch erwähnt werden. Dabei wird klar, dass Werte wie Mitleid, Toleranz und Menschlichkeit immer wieder in Gefahr geraten und immer neu gepflegt werden müssen. Für alle Generationen ein interessanter Beitrag zum Geschichtsverständnis, für Jugendliche gerne zu empfehlen.
Lotte Schüler
rezensiert für den Borromäusverein.
Auf den Spuren Rogers
Florent Silloray
Avant-Verl. (2013)
106 S. : überw. Ill. (farb.)
fest geb.