Kongo
Freiwillig heuert der Held dieser Graphic Novel, Joseph Conrad, als Kapitän auf einem Lastschiff an, das im Kongo Elfenbein transportieren soll. In Briefen an seine Tante schildert er diese Reise, die von Gefahren und Krankheiten geprägt ist. Conrad
erlebte am eigenen Leib die Willkürherrschaft der europäischen Kolonialisten; als er dies kritisiert, gerät er selbst in einen beinahe tödlichen Konflikt. Die ästhetische Gestaltung dieses Comics ist betont konventionell: die genormten Panels beinhalten Schwarz-weiß-Zeichnungen, die stets nahe am Blick des Protagonisten sind. Der Verzicht auf Farbe ist der düsteren, unheilvollen Atmosphäre im Herzen Afrikas geschuldet. Für die Schönheiten dieses Landes kann es angesichts der rohen Gewalt zwischen Weißen und Schwarzen keine Form geben. Der biografische Hintergrund Conrads wird in einem informativen Anhang geliefert, der deutlich macht, wie der Autor in seinem Roman "Herz der Finsternis" die traumatischen Erlebnisse seiner Afrika-Reisen literarisch zu fassen suchte. So ergeben beide Teile des Buches ein sehr präzises und historisch fundiertes Porträt dieser Epoche, deren imperialistische Auswirkungen bis in die Jetztzeit reichen.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Kongo
von Christian Perrissin. Mit Zeichn. von Tom Tirabosco
Avant-Verl. (2013)
175 S. : übew. Ill.
fest geb.