Der General und der Clown
Voll des inneren Aufruhrs, wenn nicht nahe dem Wahnsinn begibt sich der deutsch-kanadische Generalleutnant John F. Geisreiter in ein badisches Kurstädtchen nahe der Heimat seiner Vorfahren. Sein Ziel ist es, die bedrückenden Erlebnisse während des
"Völkerhassmords" 1994 in Ostafrika durch Niederschreiben zu verarbeiten und sich so von seinen quälenden inneren Stimmen zu befreien. Dort begegnet er einer Hotelmanagerin und Amnesty-Aktivistin, deren Vater Bundeswehr-Pilot ist. Er trifft aber auch auf einen ehemals führenden Kopf der mordenden Hutu-Milizen. Auch der Afrikaner scheint von schweren Schuldgefühlen geplagt zu werden. Und wahrscheinlich auch der Pilot-Vater wegen seiner Einsätze im Kosovo. Ein Happy End im üblichen Sinne gibt es nicht, aber eine sorgfältig dargebotene Auseinandersetzung mit den jeweiligen Traumata und Schuldvorwürfen. Als Lösung sind Verzicht und Verzeihung angedeutet. In der winzigen Welt eines Kurhotels und einer Kur-Therme verknoten sich Gegenwart und Vergangenheit zu einem echten Drama. - Über weite Strecken des Romans bedient sich der Autor des inneren Monologs. Erwähnung verdienen auch die Sprachbilder, die der Autor zum Rahmengeschehen gefunden hat. Die vielen Vor- und Rückblenden verlangen allerdings konzentriertes Lesen, was aber dank der suggestiven Textführung nicht schwer fällt. Nicht unbedingt als Einschlaflektüre, aber ansonsten durchaus zu empfehlen.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der General und der Clown
Rainer Wochele
Klöpfer & Meyer (2008)
403 S.
fest geb.