Lauras Lied
Die Nachricht vom Unfall ihres Vaters versetzt Laura in bittere Freude. Ihr geliebter Vater hat sie als Kind sexuell missbraucht. Jetzt liegt er hilflos im Koma in der Klinik und die Krankenschwester versichert ihr, dass ihre Worte wahrscheinlich zu
ihm vordringen. Laura nutzt diese Gelegenheit, endlich mit ihm abzurechnen. In der Rückblende wird die Zerrissenheit des Kindes deutlich. Da ist auf der einen Seite der geliebte Vater, der sie so sehr vergöttert, dass er sogar ihr Weinen als Singen bezeichnet. - Der Titel "Lauras Lied" bekommt dadurch eine tiefere Bedeutung. Und da ist das Monster, das sich ihr nähert und dem sie nicht entkommen kann. Die Katze vor dem Goldfischglas setzt eine weitere Metapher. Lauras Versuch einer Abrechnung und Selbstbefreiung von den Verletzungen ihrer Seele bleiben ein Versuch - ihr Vater erwacht und leidet unter kompletter Amnesie. Er lässt Laura dadurch völlig alleine im Erinnern zurück. Auch ihre beiden Brüder und ihre Mutter erweisen sich als unfähig, Lauras Leid zu erkennen, geschweige denn ihr zu helfen. Dem Zeichner gelingt es, dem schwierigen Thema des Missbrauchs eine besondere Emotionalität zu verleihen. Einige Szenen eindeutiger sexueller Handlungen könnten bei manchen Lesern Anstoß erregen. Insgesamt ist das Thema schlicht und doch vielschichtig und dadurch umso eindringlicher behandelt.
Lotte Schüler
rezensiert für den Borromäusverein.
Lauras Lied
nach einem Roman von Amélie Sarn. Zeichn.: Thierry Murat. Szenario: Corbeyran
Schreiber & Leser (2011)
100 S. : überw. Ill. (farb.)
kt.