Das Geheimnis des Kapuzenmanns
Als 18-jähriger hatte er sich Hals über Kopf Blüchers Truppen angeschlossen, nun kehrt Wilhelm Mohr 1815 als Veteran nach 22 Jahren Abwesenheit in sein saarländisches Heimatdorf Neunkirchen zurück. Dort verliebt er sich bald in seine Schwägerin
Babette, doch das Schicksal des Bruders ist ungeklärt. Ein plötzlich auftauchender "Schattenmann" scheint die Familie zu bedrohen, entpuppt sich jedoch bald als der vermisste Bruder, der sich wegen seiner entstellenden Gesichtsverletzungen nicht zeigen will und schließlich umbringt. Damit ist der Weg für die beiden Liebenden frei. Sehr ambitioniert versucht der Autor, durch genaue Schilderung von Orten, Sprache (Erklärung von Redensarten), Menschen und Ereignissen den historischen Zeitraum abzubilden und zu vermitteln, wie sich eine neue Zeit Bahn bricht. Doch lebt dieses Bemühen zu sehr aus der Sicht des historischen Abstandes und wird aufdringlich dort, wo moderne Schlagworte unpassend eingebaut werden ("Demokratie wagen", "Ich habe einen Traum", "Wer zu spät kommt, den bestraft die Zeitgeschichte" usw.). Dabei fungieren ein Erfinder und ein Journalist (Beruf des Autors!) als weitsichtige Zukunftsexperten. Vielfach also künstlich und unausgereift wirkend (verkürzter Roman?) sind weite Teile auch anregend und unterhaltend zu lesen. Lesern historischer Belletristik eingeschränkt empfohlen.
Birgit Karnbach
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Geheimnis des Kapuzenmanns
Gerd Meiser
Conte (2012)
Conte Belletristik
212 S.
kt.