Ehe als Sakrament verstehen
Für Katholiken ist die Ehe ein Sakrament, und doch scheinen viele den sakramentalen Charakter der Ehe nicht oder nicht hinreichend verstanden zu haben. Schumachers bemerkenswertes, da theologisch hervorragend ausgearbeitetes Buch zeigt, dass dieser
Mangel an Kenntnis kein Gegenwartsphänomen ist. In seiner Darstellung der "theologiegeschichtlichen Entwicklung" verfolgt er das Wachsen des Eheverständnisses von der Ehe in Israel, in der Reich-Gottes-Verkündigung Jesu und bei Paulus über die Ehe als Rechtsinstitut in der Antike und im Mittelalter bis hin zur Geltung als "Realsymbol der Koinonia [Gemeinschaft] Gottes" nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Ein systematisch angelegter zweiter Teil entfaltet die Realsymbolik der Ehe sowohl im Hinblick auf das menschliche Mit-Sein als auch auf die Teilhabe an der Gemeinschaft Gottes. Dabei gelingt es dem Verfasser, die christliche Einehe und die Unauflöslichkeit der Ehe aus einem für das sich zunehmend säkularisierende Christentum ungewohnten theologischen Blickwinkel neu zum Leuchten zu bringen. Leider ist das Werk in einer theologisch anspruchsvollen Begrifflichkeit verfasst, die es nicht unbedingt einem breiteren Publikum zugänglich macht. Dass auf Fußnoten und Literaturverweise gänzlich verzichtet wurde, wird hingegen der Fachmann bemängeln. Dennoch, eine hochinteressante Arbeit!
Richard Niedermeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Ehe als Sakrament verstehen
Thomas Schumacher
Pneuma-Verl. (2015)
218 S.
kt.