Schneekreuzer
Der Zug Schneekreuzer scheint unendlich lang und ist der einzige Schutz vor der tödlichen Kälte, die nach einer von Menschen gemachten Klimakatastrophe die ganze Welt erstarren lässt. Der Zug ist wie ein Abbild der untergegangenen Welt: in der dritten
Klasse regiert Mangel, Chaos, und ein gnadenloser Kampf ums Überleben; die zweite hat sich in bürgerlicher Zufriedenheit mit dem Schicksal abgefunden und in der ersten schwelgen die Privilegierten in Luxus. Durch die räumliche Enge werden die Auswirkungen jeder Form menschlichen Verhaltens extrem konzentriert. Tyrannen und Fanatiker, aber auch Altruisten und Hilfsbereite hat der Autor in dramatische Szenen gesetzt. Nach dem Tod des ersten Autors hat der Grafiker fast zwanzig Jahre später zusammen mit einem neuen Autor die Geschichte fortgesetzt. Die Grafik hält bedrückende Szenen von Gewalt und Verrohung fest und manchmal auch von Liebe. Die Emotionen, die in den Gesichtern gespiegelt sind packen den Leser und verstärken die grausige Atmosphäre im Zug, der nach einem täuschenden Aufleuchten der Hoffnung in der endlosen Eiswüste seine hoffnungslose Reise beenden wird. Als metaphorischer Blick in die Zukunft der Welt haben beide Autoren ein beklemmendes Szenario geschaffen. Keine Erlösung ist in Sicht, es sei denn man sieht sehr genau hin und kann vielleicht doch einen Hoffnungsschimmer entdecken. Der liegt aber nur in den Menschen selbst und heißt Liebe. Ein Kunstwerk sind die drei Folgen um den Schneekreuzer, aber auch ein schwer zu verkraftendes mit Tendenz zu einer depressiven Endzeitstimmung. Wegen der künstlerischen Qualität kann das Einstellen erwogen werden mit vorsichtigen Empfehlungen an Leser, die sich davon nicht in Depressionen drängen lassen und nach den Momenten der Hoffnung suchen.
Lotte Schüler
rezensiert für den Borromäusverein.
Schneekreuzer
Lob ...
Verl.-Haus Jacoby & Stuart (2013)
253 S. : überw. Ill.
fest geb.