Schönheit
Wie in einem Märchen erlangt die unansehnliche Morue durch eine Fee unermessliche Schönheit. Zwar liegt diese Schönheit nur in den Augen der Betrachter, ist aber so unglaublich, dass alle Männer sich in Kampf und Tod stürzen, um Morue zu besitzen.
Als sie sich mit dem Burgherren zufrieden gibt, flüstert ihr die Fee den Wunsch nach Höherem ein. Und tatsächlich, Morue wird schließlich Königin. Doch die Geschichte hat noch viel mehr psychologische Ebenen, die oft mit Ironie und schwarzem Humor erzählt werden: die intrigante Schwester des Königs mit ihren männlichen Tugenden, der Wahnsinn, der alle Männer befällt, die Morue sehen, und die veränderte Wahrnehmung, die aus Morues penetrantem Fischgeruch eine frische Meeresbriese macht. Dazu tauchen immer wieder Märchen-Motive auf und die bunten Zeichnungen zwischen ornamentaler Üppigkeit und naiven Illustrationen sind ein Augenschmaus. Morues Schönheit wird immer mehr zum Fluch, durch den alle ihre Freunde sterben müssen. Gerne hätte sie ihre alte Unansehnlichkeit zurück, aber die Fee lässt nicht mit sich handeln. Zur Lösung des Problems findet Morue eine überraschende Lösung. Solche Überraschungsmomente sind besondere Höhepunkte der Erzählung. Die Autoren schrecken aber auch vor der Darstellung sexueller Vereinigung (relativ dezent) bis hin zum Inzest vor keinem menschlichen Abgrund zurück. Dennoch kann dieser attraktive Band reifen Jugendlichen und aufgeschlossenen Erwachsenen vergnügliche und nachdenkliche Stunden bereiten - allerdings zu einem recht hohen Anschaffungspreis.
Lotte Schüler
rezensiert für den Borromäusverein.
Schönheit
Kerascoët & Hubert
Reprodukt (2013)
152 S. : überw. Ill. (farb.)
fest geb.