Der Gast
Ein Mann, der Erzähler, lebt allein in einem großen Haus. Ein Pferd fasst Zutrauen zu ihm und lebt fortan bei ihm als Gast. Obwohl das Pferd sehr höflich ist, wird das Zusammenleben mit ihm immer schwieriger, auch, weil es zu wachsen scheint. -
Die zarten Bleistiftzeichnungen geben der Feinsinnigkeit und Kultiviertheit des Erzählers Ausdruck. Sein Leben ist in Ordnung, so wie die Möbel, die Pflanzen und sogar das Kaminfeuer sich in die Komposition einfügen. Das Pferd, als rotes, ungestümes Wesen, stört diese Ordnung und es gibt nur ein Mittel, dem Einhalt zu gebieten, nämlich es mittels Willenskraft aus seinen Gedanken zu verbannen. Dies werden schon die Kleinsten kennen: sobald sich eine Idee in unserem Kopf festsetzt, beherrscht sie unser Leben. Das Reflexionsvermögen, dies zu durchschauen und die Mechanismen der fixen Ideen zu brechen, wird Kinder überfordern; die Lektüre dieses so sensibel gestalteten Kinderbuchs kann aber ein guter Auslöser sein, über den eigenen Willen und eigene Lebensentwürfe nachzudenken.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Gast
Marie Dorléans
Mixtvision (2014)
[18] Bl. : überw. Ill. (überw. farb.)
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 5