Konstantin im Wörterwald
Konstantin ist sehr aufmerksam für Laute - doch die Laute, die er selbst produziert, bringen ihm soziale Probleme, denn er stottert. So schafft er sich schreibend seine eigene Welt und taucht in eine Fantasiewelt ein, in der er mit Hilfe einer Eintagsfliege
ein Mädchen, das er "O" nennt, weil "O der erste Laut war, der ihm entfallen war, als er sie staunend das erste Mal sah", vor dem besitzergreifenden Stachelbären rettet. Hier hat er erfreuende und befreiende Sozialkontakte, hier verstummt er nicht. Doch über die zarte, durch philosophische Aspekte sehr tiefsinnige Weg-Geschichte hinaus, begleitet von träumerischen, ebenso zarten, abstrakt-symbolischen, schwarzen Zeichnungen mit roten Elementen, ist es die Sprache, die besticht und das bewusst einfach ausgestattete Buch zu einem ungewöhnlich ergiebigen Erlebnis macht. Es ist eine Sprache, die mit Lauten spielt (Alliteration, Lautmalerei u.v.m.), die den Begriffen im Sinne eines wörtlichen Verständnisses ("Du bist reizend. Du reizt mich, dir etwas zu sagen.") auf den Grund geht oder sprachlogisch hinterfragt (S. 63), vor allem aber poetisch fließt: "Es gefiel ihm, sich lesend gehen zu lassen an der Seite kleiner und großer Helden." - Die Geschichte bietet genug Spannung für Kinder ab 9 Jahren, doch der Sprachkosmos bietet Stoff für alle Generationen. Sehr nachdrücklich empfohlen.
Birgit Karnbach
rezensiert für den Borromäusverein.
Konstantin im Wörterwald
Martin Heckmanns. Mit Ill. von Stefanie Harjes
Mixtvision (2014)
Dramatiker erzählen für Kinder
75 S. : zahlr. Ill. (farb.)
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 9