Ein Schaben
Das Buch ist gar nicht so leicht zu lesen, weil die Rolle, die die Schaben im Naturkundehaus des Nürnberger Tiergartens spielen, immer wieder psychologische Elemente beinhaltet, so wie vor allem die Rolle, die die beiden Brüder Tommi und sein älterer,
von Depressionen geplagter Bruder Micha spielen. Die Schaben sind Insekten, die vor allem die Tropen und Subtropen besiedeln. Es gibt aber auch einige, die sich in menschlichen Behausungen angesiedelt haben und dort echt lästig sind. Man erfährt eine ganze Menge über diese Tiere in dem Roman. Tommi erzählt sehr viel in der Ich-Form aus seinem Leben, das ihn nach seiner Ausbildung zum Koch nach England führt. Von London ist er echt fasziniert und er beschreibt den Kontrast zu seiner Kindheit und Jugend in Nürnberg. Die Mutter, eine Pastorin, hatte immer wieder Bibelzitate parat, mit denen sie ihren Kindern Lebensregeln vermitteln wollte. Das Leben der beiden Brüder entwickelt sich sehr unterschiedlich: Micha, der seine Jugendliebe Bekka heiratet und mit ihr zwei Kinder bekommt, denkt immer wieder an seinen Vater, der die Familie verlassen hat. In dem Bemühen es besser zu machen, verliert er sich nach und nach selbst. Schrittweise hält die Depression Einzug in sein Leben. Tommi ist Zeuge, wie dem Bruder das Leben entgleitet. Tommi sucht mit Micha den Lieblingsort ihrer Kindheit, das Terrarium im Nürnberger Naturkundehaus auf und sie befassen sich nach und nach mit ihren Erinnerungen. - Ungewöhnlich, aber in jedem Fall lesenswert.
Gerd Fleder
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Ein Schaben
Robert Wolfgang Segel
Schillo Verlag (2023)
187 Seiten : Illustration
fest geb.