Éloi

In den 30er Jahren des 19. Jh. bricht eine französische Fregatte von Neukaledonien nach Frankreich auf. An Bord befindet sich Éloi, ein Ureinwohner, der der zivilisierten Welt als Exempel für den "Wilden" herhalten soll. Der Naturforscher Pierre Éloi ist besonders um Éloi bemüht, da er an ihm seine Rassen-Theorie beweisen will. Der anwesende Pfarrer versucht Éloi zu christianisieren. Die Schiffsmannschaft jedoch begegnet dem jungen Farbigen offen rassistisch: er wird als Schiffsjunge ausgenutzt, beschimpft und misshandelt. Ein junger Mitreisender setzt sich für Éloi ein, doch kann er den unheilvollen Lauf der Ereignisse nicht aufhalten. Das Schiff als Mikrokosmos einer Gesellschaft, die auf verschiedenste Weise auf den Fremden reagiert: als Exportartikel, als Versuchskaninchen, als willkommenes Opfer von Aggression. Dieses Grundmuster wird in der Graphic Novel durchdekliniert. So unterschiedlich die Interessen an Éloi auch sind, so sehr geht das Bemühen um ihn an seinen Empfindungen und Bedürfnissen vorbei. Von Anfang an wird erzählerisch die Zuspitzung zur Katastrophe vorbereitet: die Szenen im Urwald vermitteln eine ähnlich klaustrophobe Atmosphäre (für die Weißen) wie die extreme, gewaltgeschwängerte Dichte auf dem Schiff. Was in Éloi vorgeht, kann er nicht äußern, doch wird der Leser aus den Aktionen und Reaktionen derer, die ihn in ihrer Gewalt haben, auf sein Inneres schließen können. Das ist die große Wirkungskraft dieses Buches: Die dunkelsten Seiten der Kolonialgeschichte werden dem Leser so unterbreitet, dass er diese Geschichte mit den Augen des Opfers sieht und erfährt.

Dominique Moldehn

Dominique Moldehn

rezensiert für den Borromäusverein.

Éloi

Éloi

Geschichte: Younn Locard ... Zeichn.: Florent Grouazel
Avant-Verl. (2015)

222 S. : überw. Ill. (farb.)
fest geb.

MedienNr.: 583071
ISBN 978-3-945034-31-6
9783945034316
ca. 29,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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