Madgermanes

José, Basilio und Annabella - drei Stimmen, die von ihrer Zeit in der Ferne berichten. So unterschiedlich sich ihre Charaktere darstellen, so ähnlich sind ihre Erfahrungen gewesen, als sie Anfang und Mitte der 80er Jahre von Mosambik in die DDR zogen. Madgermanes Das ungewohnte Klima, die Separierung von der Bevölkerung, die Enttäuschung über mangelnde berufliche Perspektiven, Sehnsucht nach der Familie und der spätere, nach der Wende so offen gezeigte Fremdenhass - die drei Protagonisten dieser Graphic Novel stellen sich auf unterschiedliche Weisen diesen Situationen. Der Zeichnerin gelingt es, jeder dieser drei Stimmen und Perspektiven gerecht zu werden und gleichzeitig "die Fremde", die DDR, zu porträtieren: ein Staat in Auflösung, von dem später nur noch in Form von Souvenirs und Fotos erzählt werden kann. Für die Wiedergabe der Erinnerungen findet die Autorin geniale Lösungen; teils sind sie verblüffend einfach und eindeutig, teils experimentell und gewagt. Es ist schlichtweg meisterhaft, wie es ihr allein durch die Kombination verschiedener Bildsprachen gelingt, den Leser mit viel Empathie das Schicksal der "Madgermanes" verfolgen zu lassen. Darüber hinaus wird ihm auch selbst das Gefühl vermittelt, der Fremdheit ausgesetzt zu sein. Die Madgermanes sind zu einem großen Teil um ihren Verdienst betrogen worden - ein Skandal, auf den dieses Werk noch einmal aufmerksam macht. Es kann als Dokument einer unabgeschlossenen politischen Geschichte aufgefasst werden, die sich auch der Frage nach dem Eigenen und dem Fremden widmet. Eine zu Recht mit hohen Preisen bedachte Graphic Novel, der viele, vor allem auch jüngere Leser zu wünschen sind!

Dominique Moldehn

Dominique Moldehn

rezensiert für den Borromäusverein.

Madgermanes

Madgermanes

Birgit Weyhe
Avant-Verl. (2016)

236 S. : überw. Ill. (farb.)
fest geb.

MedienNr.: 585321
ISBN 978-3-945034-42-2
9783945034422
ca. 24,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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