d'Orsay-Variationen

Um 1900 treffen sich zwei Freundinnen im neu eröffneten Pariser Gare d'Orsay. Dieser große Bahnhof wird 86 Jahre später als Museum Kunstwerke beherbergen, die zu seiner Bauzeit entstanden sind: Gemälde von Rousseau, Monet, Morisot und vielen anderen. d'Orsay-Variationen Die beiden Freundinnen sind Zeitgenossinnen dieser Künstler und könnten ihnen Modell gesessen haben. Welche Konflikte es unter den impressionistischen Malerfreunden gab und welche Ablehnung sie seitens des Publikums erfuhren, kann sich heute wohl kaum ein Museumsbesucher vorstellen - davon könnte aber das Aufsichtspersonal erzählen, das einem Gemälde Rousseaus entsprungen ist. Ein lockeres Netz aus Alltagsszenen wird in dieser Graphic Novel gewebt, bevölkert von Figuren, die wir aus der Kunstgeschichte kennen. Der Leser begleitet den jungen Degas zum bewunderten Maler-Fürsten Ingres, er wird Zeuge eines Streits zwischen Degas und Renoir und erlebt die Wirkung ihrer Werke auf das Publikum. Kunst und Historie verlebendigen sich in diesen szenischen Geschichten und dies ist so glaubhaft, weil der Autor sich in seinen Bildern stilistisch sicher im Impressionismus, Symbolismus und Jugendstil bewegt. Wie in einem Traum verwandeln sich fiktive in reale Orte und Bildfiguren in Besucher. Dies ist selbst ein großartiges impressionistisches Verfahren, das dem Leser einen sehr frischen Zugang zur Kunst und ihrer Entstehungszeit gewährt.

Dominique Moldehn

Dominique Moldehn

rezensiert für den Borromäusverein.

d'Orsay-Variationen

d'Orsay-Variationen

Manuele Fior
Avant-Verl. (2016)

65 S. : überw. Ill. (farb.)
fest geb.

MedienNr.: 586992
ISBN 978-3-945034-47-7
9783945034477
ca. 19,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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