Odem

Nik ist ein moderner Wüstenheiliger, der in der Einöde sein altes Leben mit all seinen Zwängen hinter sich lassen will. So ganz gelingt das nicht: zum einen fordert der Körper seinen Tribut, zum anderen stören Wüstenbewohner seine Ruhe und fordern Odem ihn zu Diskussionen heraus, die ihn geistig so beanspruchen, dass sie jeglicher Kontemplation ein Ende bereiten. Die philosophisch ins Absurde gleitenden Dispute mit einem Kater, einer Elster und sogar mit seinem eigenen Schatten verhindern zwar die Erlangung höherer Weisheit, doch geben sie Niks Gedankenströmen ungeahnte Wendungen. Die betont sparsame Linienführung der Zeichnungen fördert die Konzentration auf das Wesentliche: ein paar Striche skizzieren das Setting und die Figuren. Das Überwältigende von Niks Innenleben wird in expressiver Grafik zur Schau gestellt, die den Rahmen der Panels sprengt. Die Hoffnung der Hauptfigur (und des Lesers) nach der Erlangung der Weisheit erfüllt sich nicht. Stattdessen lösen die Bilder und Texte die Erkenntnis ein, dass bei der Sinnsuche geistige Flexibilität und auch Freude an absurder Komik mitunter den Weg zu banalen Alltags-Wahrheiten eröffnen.

Dominique Moldehn

Dominique Moldehn

rezensiert für den Borromäusverein.

Odem

Odem

Max
Avant-Verl. (2016)

111 S. : überw. Ill.
fest geb.

MedienNr.: 586995
ISBN 978-3-945034-49-1
9783945034491
ca. 24,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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