Die Tage der Amsel
Ein Vater verliert seinen Sohn am Flughafen. Eine Lehrerin wird von ihren Schülern gedemütigt. Ein Paar auf Urlaubsreise erfährt von schweren Unfällen auf ihrer Route. Eine laotische Migrantin erinnert sich an ihre Flucht nach Frankreich. Zehn
kurze Einblicke in gegenwärtige Situationen, in vergangene Tragödien und zukünftige Mysterien - immer wird man in diese Geschichten hineingeworfen, um sie ebenso abrupt wieder verlassen zu müssen. Dem Leser und Betrachter wird also einige Aktivität in der Lektüre abverlangt, zumal es vorkommt, dass Bilder und Texte nicht konvergieren. Viele dieser Kurzgeschichten halten den Leser durch das interessante Setting bei der Stange und durch den perfekt darauf abgestimmten Zeichenstil. Der Autor beherrscht eine breite Palette an künstlerischen Ausdrucksformen: die ligne claire, Collagetechniken, impressionistische Farbbehandlung oder expressive Marvel-Ästhetik. Geradezu verschwenderisch in der Themen- und Darstellungsvielfalt präsentiert dieser Sammelband stolz das Können dieses Meisters der Graphic Novel.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Tage der Amsel
Manuele Fior
Avant-Verl. (2018)
102 S. : überw. Ill. (farb.)
fest geb.