Maximilian Kolbe
Manchmal überstrahlen die Glanzpunkte eines Lebens alles Übrige. Bei Maximilian Kolbe ist das so: Jeder weiß von seinem selbstlosen Opfer im KZ, wer aber - außerhalb Polens - kennt schon sein Leben? A. Frossards Biographie stellt uns eine von Kindheit
an außergewöhnliche Persönlichkeit vor, einen Menschen mit Ecken und Kanten (ein "Original"), der einen unerschütterlichen, ebenso mystischen wie missionarischen Glauben durch die dämonischen Beben seiner Zeit hindurchträgt. Frossards Buch ist richtungsweisend für eine zeitgemäße Heiligenbiographie: nie ins Süßliche, Kitschige abgleitend, sondern klar und kernig stellt sie sich auf den Boden des aufgeklärten Menschen, der allerdings noch über das Fremde, Unbegreifbare zu staunen vermag, der das Sperrige noch als Herausforderung versteht und es weder frömmelnd übergeht noch es mit ignorantem Spott überzieht. So nimmt der Autor zwar den Blickwinkel des Advocatus Diaboli im Heiligsprechungsprozesses ein, gibt aber - wie dieser - damit nicht seine theologische wie menschliche Verständigkeit auf. So fällt kein Schatten auf die Lichtgestalt Kolbes, und doch begreift der Leser, dass Heiligkeit nicht im Kerzenschein und Weihrauchduft gelebt wird, sondern gerade in den Finsternissen des Daseins, gleich ob sie die alltäglichen oder die vom Satan inszenierten sind. Sehr lesenswert.
Richard Niedermeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Maximilian Kolbe
André Frossard
Media Maria (2015)
223 S.
fest geb.