Rose Valland und die Liebe zur Kunst
Während des Zweiten Weltkriegs raubte die Naziführung im besetzten Frankreich zigtausende Kunstschätze. Kunsthistorikerin Rose Valland (1898-1980), zu Kriegsbeginn als verantwortliche Leiterin eines Museums in Paris eingesetzt, wurde zur Gegenspielerin.
Vor der Einnahme der Stadt war sie an der Organisation der Evakuierung wertvoller Kunstgegenstände des Louvre beteiligt sowie mit der Rettung der schönsten Exponate des Jeu de Paume befasst, die in den Augen der Nazis als entartete Kunst galten. Die Autorin schildert informativ und plakativ darstellend die Vorgehensweise des Kunstraubs. Die beschlagnahmten Privatsammlungen jüdischer Familien und die geplünderten Kunstwerke aus Kunstgalerien wurden zwischengelagert. Von den Nazis zur Hausmeisterin degradiert, blieb Rose als "graue Maus" kaum beachtet und konnte mit Hilfe ihres fotografischen Gedächtnisses, ihrer deutschen Sprachkenntnisse und ihres Kontakts zum Transportpersonal von allen versandten und verkauften Kunstwerken zu Hause einen Zettelkatalog erstellen. Am Ende des Krieges übergab sie zwar eine Kopie ihrer Listen an die Amerikaner, sah es jedoch als ihre Aufgabe, alle Kunstwerke ihren ursprünglichen Besitzern zurückzubringen. Sie trat in die französische Armee ein und konnte als Hauptmann in Deutschland viele verschollene Kunstschätze aufspüren. In der sowjetischen Besatzungszone suchte sie wie eine Spionin nach geraubten Kunstschätzen, in den Nürnberger Prozessen wirkte sie als Zeugin mit. Doch das Interesse an der Wiederbeschaffung verschollener Kunstwerke ließ rasch nach, sodass sie unbezahlt privat weiter ermittelte und vergessen wurde. Jennifer Lesieur bringt die Leistung, den mutigen und gefährlichen Einsatz von Rose Valland in erzählender Form und mit vielen spannenden Einzelereignissen in Erinnerung.
Gertrud Grabmeyer-Lanzl und Bernhard Grabmeyer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Rose Valland und die Liebe zur Kunst
Jennifer Lesieur ; aus dem Französischen von Thomas Stauder ; mit einem Nachwort von Emmanuelle Polack
Elisabeth Sandmann Verlag (2024)
207 Seiten : Illustrationen
fest geb.