Taubes, Novak, Beese
Der Literaturwissenschaftler Eberhard Geisler widmet sich in seinem aktuellen Buch drei weniger bekannten Schriftstellerinnen: Susan Taubes, Helga M. Novak und Henriette Beese. Er beginnt seine literarische Reise in der berühmten Pariser Bar in Berlin,
Treffpunkt von Künstler:innen und Literat:innen. So wie der ehemalige Wirt Michael Würthle, Texte und Grafiken gesammelt hat, um der Bar ein literarisches Denkmal zu setzen, sammelt Geisler Begebenheiten aus dem Leben der drei porträtierten Frauen. Mit Hilfe der Schriftstellerinnen zeichnet er ein Bild des 20. Jh. Taubes wird 1928 in eine ungarisch-jüdische Familie geboren, der Vater ist Psychoanalytiker. Sie wird sich mit philosophischen, religiösen und literarischen Fragestellungen beschäftigen. Auch Henriette Beeses Vater ist ein berühmter Psychoanalytiker. Die Literaturwissenschaftlerin kommt 1944 in Oranienburg zur Welt und studiert Literaturwissenschaft in Frankfurt und Berlin. Helga M. Novak, geboren 1935 in Berlin, wächst bei Adoptiveltern auf. Sie studiert Journalistik in Leipzig und bricht das Studium ab, als die Stasi an sie herantritt. 1966 wird sie aus der DDR ausgewiesen. Alle drei Frauen suchen nach einer literarischen Stimme, forschen zu politischen und weltanschaulichen Themen und begehren gegen das Patriarchat auf. – Geisler setzt ihre Leben mosaikartig zusammen und nimmt Bezug auf Jacques Derrida, Lessing und das Hohelied König Salomons. Der Essay setzt philosophisches und literarisches Hintergrundwissen voraus und ist eher für ein akademisches Publikum geeignet.
Susanne Emschermann
rezensiert für den Borromäusverein.
Taubes, Novak, Beese
Eberhard Geisler
Gans Verlag (2024)
Essays ; Band 6
240 Seiten
fest geb.