Babel
Sich mit einem selbst gebauten Flugapparat durch die Stadt zu bewegen, erfordert schon einigen Mut: der junge Mann mit dem großen Flügelpaar an den Armen, der Vogelmaske und den Feder-Schuhen wird auf seinem Weg zum Turm bestaunt und ausgelacht.
Doch unbeirrt steigt er höher und höher, sucht nach einem geeigneten Platz zum Absprung - und er springt! Das Panorama einer mittelalterlichen Stadt wird vor den Betrachtern dieses großformatigen Bilderbuchs ausgebreitet: man sieht Handwerker, Bauern und Bauarbeiter und man erfährt, dass Menschen dabei auch an ihren großen Träumen arbeiten. Denn hier wird der Traum vom Fliegen mit dem Traum des Turmbaus verknüpft. Der Zeichner lenkt den Blick gleichermaßen auf die kleinen Mühen des Alltags wie auf die Menschheits-Utopien, die eigenen Grenzen zu sprengen. Der Turmbau zu Babel (dem in dem prächtigen Gemälde von Pieter Brueghel ein Denkmal gesetzt wurde) ist ein Bild für diese Hybris, die jedoch hier für die Kinder eine Umdeutung erfährt. Denn, wie der Autor in seinem Nachwort betont, Träume vom eigenen Leben bedürfen Anstrengungen und Hilfe, um sie wahrwerden zu lassen. Dass von diesen Lebens-Entwürfen ohne Worte, aber in großartigen, humorvollen Bildern erzählt wird, kann den jungen Betrachtern Impulse geben, an die eigenen Stärken zu glauben, sich unterstützen zu lassen und mutig am "eigenen Turm" zu bauen.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Babel
Arnoud Wierstra
Jacoby & Stuart (2017)
[20] Bl. : überw. Ill. (z.T. farb.)
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 4