Tabakpech
In Mühlraden und Gottesgabe, Orte zwischen Oder und Welse, leben die Menschen von 1930 bis 1995 hauptsächlich vom Anbau des Tabaks („Gold der Uckermark“), den Ende des 17. Jh. die wegen ihres Glaubens vertriebenen Hugenotten hierher brachten.
Die Leser:in erhält viel Fachwissen über Bodenfeuchte, Keimlinge, Blüten, Blattgröße und die harte Arbeit, vor allem die der Frauen. Der Tabak wird geerntet, in Scheunen gebracht, aufgefädelt und verkauft. Elfie, die Hauptperson des Romans, muss letztendlich die Arbeit ihres Mannes Georg tun, der wegen starker Rückenschmerzen (Folge des Kriegs) nicht mehr mit seinem Traktor nach Mühlraden fahren kann, um dort den Tabak zu verkaufen. Der arrogante Aufkäufer nimmt die „schlechte, unverkäufliche Ware“ aber nicht an. So endet der Roman mit Georgs Worten: „Wir hören auf!“. Es gibt kein Tabakblütenfest mehr. Unter die Haut gehen auch die Schilderungen der Kriegs- und Nachkriegsjahre. Zunächst kommen immer Einberufungsbefehle, später Briefe mit Todesnachrichten. Im Alltag und auf den Feldern bleiben starke Frauen mit ihren Kindern zurück. Männer kommen traumatisiert aus dem Krieg heim. Und eine verschüttete Bombe, die Lothar beim Graben berührt, kostet ihn das Leben. Ein sehr ans Gemüt gehender Familienroman mit vielerlei Sehnsüchten der Akteure. Und: wunderschöne Illustrationen von Tabakpflanzen.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Tabakpech
Eva-Martina Weyer
STROUX edition (2024)
279 Seiten : Illustrationen (farbig)
fest geb.