Mittelberge

Um den Mittelberg, im Mittelfränkischen südwestlich von Nürnberg, wächst Sophie in den 1930er Jahren auf: kränklich und unerwünscht, weil der Erstgeborene früh verstarb und mit ihr keine Hofnachfolge zu erwarten ist. Doch sie kämpft sich dank Mittelberge der Unterstützung der Mutter und der unverheirateten Tante durch. Die Familie kommt dank Bauernschläue, Courage und viel Distanz unbeschadet durch die Nazizeit und die Versuchungen der Besatzungsphase. Man bleibt in Armut, aber selbstversorgt auf seiner Scholle, hilft den Nachbarn, wagt keine Schritte außerhalb des Vertrauten. Sophie lernt Neues für ein Taschengeld nach der Schulzeit als Dienstmädchen in einem Försterhaushalt und baut schließlich im Akkord Holzverkleidungen für Fernseher. Vom Einatmen des aufgeklebten Furniers bekommt sie Asthma, aber sie genießt die entstehende Selbständigkeit. Dann lernt sie bei den üblichen Tanzveranstaltungen Max kennen und mögen, kann sich lange nicht binden, aber geht entsprechend den sie umgebenden Konventionen den Weg in die Ehe. Max will hinaus in die Welt, möglichst nach Skandinavien. Vor allem trifft er große Entscheidungen allein, bis hin zum Kauf einer alten Schuhfabrik im neuen Zonenrandgebiet. – Durchsetzt von den die Inhalte der Prosatexte ankündigenden oder zusammenfassenden Gedichten, gelingt Specht eine Entwicklungsgeschichte in hoher Dichte, mit Sprachwitz und poetischer Kraft. Der erste Roman dieser bisher durch Theaterstücke bekannten Autorin (*1956) entwirft eine fesselnde Lebensgeschichte wie aus einem anderen Leben, in dem weibliche Fähigkeiten kaum Beachtung fanden. – Gerne empfohlen.

Rolf Pitsch

Rolf Pitsch

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Mittelberge

Mittelberge

Kerstin Specht
STROUX edition (2026)

243 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 756035
ISBN 978-3-948065-50-8
9783948065508
ca. 26,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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