Emma und der traurige Hund
Bei einem Spaziergang im Regen trifft Emma zufällig einen großen Hund, der sprechen kann. Das Wetter passt zu seiner Stimmung: er ist so traurig, dass er nicht mehr leben möchte. An den darauffolgenden Tagen führen die beiden lange Gespräche darüber,
was das Leben lebenswert macht und wie die Traurigkeit des Hundes vertrieben werden könnte. Emma befragt ihre Familie dazu, doch überzeugen lässt sich der Hund von keinem der Vorschläge. Letzten Endes sind es wohl die Bemühungen des Mädchens, die ihn am Leben halten und ihm sogar ein Lächeln entlocken. – Die Begegnung mit einem depressiven Menschen stellt für jeden eine Herausforderung dar. Für Kinder bedeutet sie schlichtweg eine Überforderung, gehört es doch zum Wesen der Kindheit, das Leben selbst nicht in Frage zu stellen. Insofern wendet sich dieses Kinderbuch an Betroffene, wobei die Figur des Hundes eine Distanzierung von der (möglichen) akuten Situation bewirkt. Wir lesen in den langen Dialogen über die Versuche, das Schöne und Lebenswerte herauszustellen und sogar Perspektiven für die Zukunft zu entwerfen. Diese Überlegungen können für alle Lesenden einen Gewinn darstellen. Die sensiblen Zeichnungen geben die Konzentration auf den Moment der Reflexion sehr treffend wieder. Und am Ende wird sogar mit einer Überraschung aufgewartet: hier wird ein Loblied auf das Diffuse von Wahrnehmung angestimmt, in dem Schönheit und Glück aufblitzen können. Dass sich Kinder in ihren Bemühungen um einen psychisch Kranken Hilfe suchen sollen (wie das die junge Protagonistin tut) ist ein Anlegen dieses Buches; hier hätte die "Nummer gegen Kummer" noch deutlicher genannt werden sollen. Einen guten Anlass, um für dieses Thema zu sensibilisieren, liefert diese Geschichte allemal.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Emma und der traurige Hund
Sabine Rufener
KUNSTANST!FTER (2024)
[44] Seiten : farbig
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 6