Alleinekind
Erwachsene zeichnen sich durch ihre Entscheidungsmacht aus: das Urlaubsziel, die Freizeitgestaltung oder die Anzahl der Familienmitglieder werden von ihnen bestimmt. Darüber übersehen sie oft, dass Kinder über ihre "Rolle" in der Familie schon recht
gut reflektieren können und sie oft auch "Spezialkenntnisse" (z.B. über Steine und Regen) haben. Wenn ein Kind keine Geschwister hat, zieht es zwar die ganze Aufmerksamkeit der Erwachsenen auf sich; andererseits hat es auch viel Zeit und Muße zum Nachdenken. Einen Anstoß dazu möchte dieses Bilderbuch geben, und zwar allen Kindern, ob mit oder ohne Geschwister. Die Illustrierung setzt ein namenloses Mädchen ins Zentrum. Um sie herum kreisen Erwachsene, andere Kinder und Haustiere. Die Bilder lassen in ihrer Offenheit großen Spielraum für das Ausloten der Möglichkeiten. Es sind schöne, surreal anmutende Zeichnungen, in denen Perspektiven und Größenverhältnisse verschoben werden. Auch die Schrift wird als gestalterisches Mittel eingesetzt. Das ist ästhetisch anspruchsvoll und nicht immer leicht zu deuten. Doch diese Collagetechnik drückt aus, dass es viele Optionen gibt, sein Leben zu gestalten und das Beste aus seiner Rolle innerhalb der Familie zu machen. Dies ist eine libertäre Haltung, die die kindliche Gefühlswelt ernst nimmt und die Kindern das Recht auf ihre eigenen Fragen und Deutungen zuspricht.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Alleinekind
Corinna Pourian
Kunstanstifter (2024)
[52] Seiten : farbig
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 5