Ayeshas Pinsel
Als der Krieg über der Stadt tobt und alles verwüstet, fliehen die Menschen in einen Keller. Unter ihnen ist die Malerin Ayesha. Pinsel, Stifte und Farben werden verteilt und die verängstigten Menschen beginnen, die Kellerwände mit schönen Bildern
auszumalen. Ayesha malt das letzte Bild, ein Fenster zu einer paradiesischen Landschaft. Dieses Fenster ist ein Ausweg aus Krieg und Zerstörung. – Die Nachrichten sind voller Gewalt und sinnloser Destruktion. Schon für Erwachsene ist es schwer, diese Bilder des Leids auszuhalten; wie mögen sie auf Kinder wirken, die man zu Mitgefühl erziehen möchte? Dieses Kinderbuch setzt einen Akzent, der vordergründig naiv erscheinen mag, der aber eine Kraft in sich trägt, die neue Welten erschaffen kann – die der Kunst und Kreativität. Das Zeichnen, Malen, Schreiben oder Komponieren setzt der Wirklichkeit des Schreckens etwas entgegen, das neue, andere (Aus-)Wege bahnt und Wünsche formuliert, wie ein gutes, gelingendes Leben aussehen könnte. Als Kritik kann eingewandt werden, dass diese Botschaft den Opfern wenig nützt. Dem ist entgegenzuhalten, dass jeder künstlerische Ausdruck eine überindividuelle, zutiefst menschliche Fähigkeit ist. Die schöne, edle Gestaltung dieses Buches trägt dem Rechnung: auf das dicke Papier wurden zarte, detailreiche Zeichnungen gesetzt, die die Schönheiten von Ayeshas Bildern widerspiegeln. Kunst ist, wie die Autorin auch in ihrem Vorwort ausführt, eine Lebenskraft und Schönheit ist das Gegenbild zu dem Leid, das die Gewalt hervorruft. Bücher wie dieses verkörpern diese Überzeugung. – Sehr gerne empfohlen!
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Ayeshas Pinsel
Illustration: Pauline Pete ; Cornelia Funke
KUNSTANST!FTER (2026)
[48] Seiten : farbig
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 6