Leonce & Lena
Gegen ihren Willen sollen Prinz Leonce aus dem Reich Popo und Prinzessin Lena aus dem Reich Pipi miteinander verheiratet werden. Samt Diener und Gouvernante auf der Flucht vor den auferlegten Pflichten, begegnen sich die beiden Königskinder auf Wanderschaft
im Wald. Ohne sich zu erkennen, entflammt ihre Liebe – besonders bei Leonce. Erst maskiert vor dem Traualtar treffen sie wieder aufeinander. Mit Leonce in Gothic Look und Lena mit bauchfreiem Tanktop verlieh Andreas Eikenroth ihnen einen modernen Look. Im letzten Band seiner Büchner-Adaptionen (zuletzt „Dantons Tod“ – BP/mp 23/757) baute der Zeichner wieder Zitate aus Kunst und Pop-Kultur ein. In gewohnt karikaturhafter Grafik verzichtet er auf Panels, um einzelne Aktionen um einen Charakter zu gruppieren, ihn zu spiegeln oder Szenen ineinander übergehen zu lassen. Von einer Modernisierung der theatralischen Sprache sieht Eikenroth ab – Kürzungen waren aber unerlässlich. Bei den Dialogen griff Büchner teils tief in die Wortspielkiste – manchmal nah am Kalauer, manchmal an einer Theaterparodie. Jedoch fließt in der Verspottung von Autoritäten und Hofzeremonien sowie der Ablehnung des regelmäßigen Broterwerbs wieder seine antiautoritäre Haltung ein. Ein Tipp für größere Bestände.
Gregor Ries
rezensiert für den Borromäusverein.
Leonce & Lena
eine grafische Inszenierung von Andreas Eikenroth ; nach der Komödie von Georg Büchner
Edition 52 (2026)
64 Seiten : farbig
fest geb.