Good-bye für heute
Deutschland/ Berlin zur Zeit der Weimarer Republik: eine gespaltene Gesellschaft. Anhänger der Monarchie, die auf gesellschaftliche Unterschiede bestehen, d.h., die eigene Überlegenheit zurückgewinnen wollen – Republikaner, die sich auf die Demokratie
einlassen und sie erhalten wollen – Sozialisten, die von der ökonomischen und gesellschaftlichen Gleichheit aller träumen. In der Familie Tarnowitz, ehemals von Tarnowitz, treffen Vertreter aller Gruppen aufeinander. Erhard, der Sohn des Hauses, geprägt vom Standesdünkel der Familie, hat sich ganz von Mutter und Zwillingsschwester gelöst, ist fanatisch nationalistisch und antisemitisch, unternimmt einen Mordversuch aus antisemitischen Motiven und muss fliehen. Seine Schwester Karin studiert Medizin an der Charité, will sich als Sozialistin von den gesellschaftlichen Zwängen, denen Frauen in der Nachkriegsgesellschaft unterworfen sind, befreien. Mutter Jean, als US-Amerikanerin von der adligen Familie des gefallenen Mannes nie akzeptiert, ebenso freiheitsliebend wie ihre Tochter, arbeitet als Journalistin, um die verarmte Familie durchzubringen. Neben der politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen Situation geht es auch um Liebe, Trennung, Wiedersehen, um die Emanzipation der Frau, ihre Selbstbestimmung im beruflichen und im sexuellen Bereich. Die Situation in Deutschland, die Haltung von Angehörigen anderer Staaten gegenüber Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg kennenzulernen durch Frau Goldsmith, die als US-Amerikanerin zu der Zeit in Deutschland lebt und schreibt, eröffnet einen interessanten Blickwinkel. Der Roman erschien 1928 in den USA ist zum ersten Mal auf Deutsch erschienen. Doch die Personen sind sehr einseitig gezeichnet, die Gespräche und der Umgang der Menschen miteinander sehr hölzern. Das Gefühlsleben und die Handlung erinnern sehr an die Schriften von Hedwig Courths-Mahler.
Barbara Schürmann-Preußler
rezensiert für den Borromäusverein.
Good-bye für heute
Margaret Goldsmith ; aus dem Englischen übersetzt von Eckhard Gruber
AvivA (2025)
221 Seiten : Illustration, Karten
fest geb.